Design & Kunst

Design & Kunst – Design &Mathematik – Design & Natur – Design & Medien – Design & Architektur.

1- Design & Kuns

Was ist Kunst? Was ist Kunststreben? Was unterscheidet Kunst von Nichtkunst? Was ist Kunstfertigkeit? Ist Kunst reine Geschmacksache? Nach welchen Kriterien können wir entscheiden, ob ein Objekt Kunstcharakter hat oder nicht? Auf diese Fragen gibt es viele Antworten, die von einander abweichen. Die Frage nach der Kunst ist die Frage nach dem „Wie“. Kunst hat in der Regel ein universelles Vorbild und das ist die Natur. Die Treue zur Natur macht die Schönheit der Kunst aus, denn durch sie wird sie erst verwandlungs- und erneuerungsfähig.\n\nÄsthetische Bewertung, subjektive Erfahrung und sinnliche Wahrnehmung stehen oft rationaler Erkenntnis gegenüber. Manche behaupten Kunst sei reine Präsentation, sie sei eine Sache von Wahrnehmung anderer. Solche mathematischen Aussagen werden in der Regel von Nicht-Künstlern hinausposaunt. Kunst ist die künstlerische Versenkung, mit der wir aus unserem alltäglichen Bedürfnissen heraustreten, um uns den Alltäglichen des Lebens zu entziehen, um uns mit uns selbst zu beschäftigen. Ein Kunstwerk braucht keine über sich hinausweisenden Sinnbezüge, denn sie ist in sich selbst sinnvoll. Sokrates sprach einst mit Erstaunen über die berühmten Künstler seiner Zeit: „Nur aus Instinkt“, sagte er und meinte, die Werke der Künstler seinen ohne Erkenntnis, aus reiner Instinkt geschaffen worden. Die künstlerische Versenkung ist kein passives Erleben, sie ist ein aktives Mitgestalten gemäß der inneren Wirklichkeit. Der Künstler hinterfragt und gibt Antwort, indem er versucht unter den gegebenen Bedingungen seine eigene Betrachtungsweise darzustellen. Er denkt in der Regel nicht in rationalen Kategorien. Die Kunst ist ein Experiment, ein Definitionswerk¬zeug, sie bietet uns eine Möglichkeit, uns mit uns selbst und mit unserer Umwelt auseinanderzusetzen.\n\nAuch der Alltag hat ein Design. Vom Alltag in der Kunst spricht man wenn Kunst vom gesellschaftlichen Leben spricht. Wir schauen uns die Kunst an und erfahren etwas über das Leben, z.B. das Wiederkehrende oder die Geschichte des Wiederkehrenden. Es gibt auch die Kunst des Alltags, d. h. wie wir unser Leben im Alltag gestalten. So gesehen ist unser ganzes Leben ein unsichtbares Design. Design ist auch ein Stück von Person, denn mit Design repräsentiert man auch sich selbst. Jeder natürlicher Mensch ist ein Künstler und legt sein eigenes Wesen in die Dinge hinein. Je selbständiger er dabei verfährt, umso einzigartiger werden seine Werke. Kunst ist das Resultat innerer Regung. Ein Künstler entwirft Unikate. Was aber gefällt uns an einem Kunstwerk? Was reagiert in uns auf ein Kunstwerk? Was ist die Kunstfertigkeit? \n\nPiotr Winkielman von der Universität von California in San Diego und seine Kollegen zeigten in einem Experiment verschiedenen Testpersonen unterschiedliche geometrische Figuren um ihre Reaktionen und Urteile zu prüfen. Die Beurteilung erfolgt oft rein intuitiv. Je schneller die Figuren erkannt wurden, desto mehr Geschmack fanden die Personen daran. Es wurde festgestellt, dass hierfür geometrische Gesetze, die uns vertraut aber nicht bewusst sind, eine wichtige Rolle spielen. Ähnliche Ergebnisse erhielt man für Objekte natürlicher Ordnung, wie z.B. Leder. Eine andere Hypothese zeigt, dass je höher die Farbkontraste sind, desto mehr Wohlgefallen lösten sie aus. Bei den Kunstgemelden bevorzugten die Testpersonen die Werke, mit denen sie am besten vertraut waren.\n\nKunstwerke besitzen materielle und immaterielle Substanzen. Erkrankte Künstler erleben häufig, dass sich ihre räumliche Wahrnehmung verändert. Die Unfähigkeit, die Identität einer bekannten Person anhand ihres Gesichtes zu erkennen ist ein Frühsymptom der Alzheimer-Krankheit. Die Künstler, die an Alzheimer erkrankt sind erleben Linien, Kanten und Flächen zunehmend anders. Die krankheitsbedingte veränderte Wahrnehmung dieser Künstler schlägt sich in ihren Spätwerken sehr deutlich nieder. Einige dieser Patienten entwickeln aber auch ungeahnte künstlerische Fähigkeiten, z.B. in der Malerei. Bei einigen Künstlern verschieben sich, mit zunehmender Krankheit, die Schwerpunkte. Die Bilder werden Farbiger, sie wirken disproportioniert und starr. Die Bildelemente schweben im Raum und wirken Anteilnahmelos. Diese Bilder zeigen wie der erkrankte Künstler auf die Grundelemente zurückfällt und wie er aus veränderter Perspektive seine innere Welt nach außen trägt. Sie schaffen neue Räume, doch der vermeintliche Stil ist immer durch die herrschenden Bedingungen geprägt. Im Normalzustand würde die Außenwelt auf den Künstler zurückwirken. Dadurch entstehen Wechselwirkungen, an denen sich der Mensch entwickelt. \n\nEin Kunstwerk, das Dynamik hat, hat Wirkung. Einige Theorien behaupten die kinetischen Rhythmen seien die Grundform unserer Wahrnehmung. Das Bild “Befreiung“ von Escher ist eine Grafik aus dem Jahre 1955. Dieses Bild hat Stil, es hat Dynamik, Professionalität und ist eine vollendete Darstellung. Dies resultiert aus einer kreativen Bild-Idee im Zusammenhang mit kreativer Gestaltung und Anordnung der Einzelelemente. Die Idee ist: Kleinere Änderungen, aber mehrfach ausgeführt, schlagen um in einen völlig neuen Zustand: Die leblosen Dreiecke bei Escher wandeln sich in Möwen als extremer Ausdruck der Lebendigkeit, verstärkt noch dadurch, dass das Urbild „Möwe“ als ein Schwarm von Möwen dargestellt ist. Die Dreiecke steigen auf und schlagen dabei in ihr Gegenteil um. Unten sind sie Symbole des Leblosen, nach oben hin werden sie zunehmend lebendiger. Die Bewegung von unten nach oben gibt sehr treffend das Wort Befreiung wieder. \n\nDie Wirkung von Design auf den Design wahrnehmenden Menschen kann psychologisch beurteilt werden. Die Ergebnisse einiger moderner Untersuchungen zeigen, dass unser Gehirn auf ein schönes Kunstwerk genauso reagiert wie auf eine schöne Landschaft. Wer sich damit beschäftigt, muss die Psyche des ganzen Menschen, seine gesellschaftliche und seine individuelle Entwicklung im Auge haben. Was ist Schönheit und Schönheiterleben? Ein Gefühl? ein Wert? Was ist Ästhetik? Diese Werte und Gefühle prägen unser Leben. Warum muss man sich sonst die Mühe geben Kunst zu machen? Soll sich der kreative Designer von künstlerischen Ansprüchen leiten lassen? Ist die Kunst der Drang nach Erfüllung, Freude, Befreiung, weil es zum Glück des Menschen gehört? Oder es ist ein sinnliches Vergnügen um der Gestaltung selbst willen. Was begeistert einen Künstler?\n\nIn der Ausbildung von Designern kann gelegentliche Beratung mit Psychologen hilfreich sein. Das wird auch für die Psychologen selber nützlich sein. Alle Kunststile zeigen charakteristische und wiederzuerkennende Eigenschaften, so auch die fraktale Kunst. Fraktale Kunst bedeutet nicht, dass der Computer die ganze Arbeit für die Künstler macht. Die Arbeit wird auf einem Computer ausgeführt, aber auf Anweisung des Künstlers. Der fraktale Künstler ist genauso wie alle anderen Künstler darauf angewiesen viele Schritte ausprobieren, experimentieren um Schritt für Schritt den richtigen Pfad und die richtige Kombination zu finden. Die fraktale Kunst beschäftigt sich mit Bildern, die im Wesentlichen aus einem oder mehreren Fraktalen bestehen. Es gibt mittlerweile diverse Programme, die solche Bilder mit Hilfe eines numerischen iterativen Prozesses erzeugen wie z.B. Fractal Explorer und Ultra-Fractal. \n\nDie fraktale Kunst gibt es seit ca. 15-20 Jahren. Sie ist eine Unterklasse der visuellen Kunst und ist in vielerlei Hinsichten alle anderen Kunstformen ähnlich, der wesentliche Unterschied ist nur, dass in der Malerei z.B. das Wesentliche an Technik und Kunstfertigkeit erlernt werden kann, die fraktale Kunst dagegen ist eine mathematische Folge und zum Teil Zufall abhängig. Das Morpho-Design z.B. ist ein Designexperiment von Achim Menges. Hierbei arbeiten Künstler und Techniker gemeinsam an Projekten zur Erzeugung komplexer geometrischer Erzeugnisse. Bei Morpho-Design werden Verformungsverhalten der Kurven untersucht und unter bestimmten Aspekten miteinander verknüpft. \n\nDie Sprache der fraktale Kunst ist eine expressive Sprache mit einer wohltuenden Abwechslung. Die erste große Publikation wurde als ein Artikel über die Mandelbrot-Menge in „Scientific American“ in 1985 veröffentlicht. Seitdem wurden viele Fortschritte gemacht, sowohl in der fraktalen Rendering (nicht Symmetrisch), als auch in der fraktalen Geometrie (Symmetrisch). Fraktale Bilder gibt es als Drucke oder elektronische Bilder. \n\n[color=#ff0000]2- Design & Mathematik[/color]\n\nIn der Antike hatten bestimmte Nummer, abgesehen von ihrem gewöhnlichen Gebrauch zum Zählen oder Rechnen, auch eine symbolische Bedeutung. Ebenso Figuren wie die Polygone, Dreiecke, Quadrate, Sechsecke wurden in ähnlicher Weise gedacht und hatten religiöse und emotionale Werte. Der Goldene Schnitt, geometrische Verhältnisse und geometrische Figuren waren oft in der Gestaltung von entscheidender Bedeutung. Diese Wertesysteme werden sogar von einigen Menschen als eine Art kulturelles Dasein des Menschen betrachtet.\n\nIn der Mathematik werden denkbare geometrische Formen in ihrer Reinheit studiert. Das kann in der Ausbildung von Designern Anregungen vermitteln und zugleich den „Geschmack“ in Richtung auf Schnörkellosigkeit prägen. Das gilt auch dann, wenn der Designer mit seinen Mustern auch eine Schmuck-Funktion ausüben will. In den letzten Jahrzehnten sind in der Mathematik auch Mittel zur Erzeugung von geometrischen, sogar farblich getönten Mustern entstanden, die in revolutionärer Weise über die traditionell geprägte Komplexität geometrischer Formen hinausgehen. Die Grundlage sind: Nichtlineare Formeln, deren fortwährende Wiederholung (Iteration) im Sinne der sog. rekursiven Funktionen und deren fortgesetzte Ausführung durch den Computer. Eines der einfachsten Beispiele dafür ist die Erzeugung der Julia-Mengen.

2- Die Julia-Menge : zn+1 = zn2 + c

Die Julia-Menge wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem französischen Mathematiker Gaston Maurice Julia definiert. Pierre Fatou (1878-1929) und Benoît Mandelbrot (1924 – 2010) haben das Verhalten der Julia-Mengen in unterschiedlichen Intervallen untersucht und darüber Aussagen gemacht. Das Buch von Peitgen, Jürgens und Saupe: „Bausteine des Chaos – Fraktale“, 1992 führte auch zur Entdeckung der Computer-Fraktale. Die drei ersten Kapitel des zitierten Buches verdienen die Aufmerksamkeit aller Designer.\n\nComputer-Fraktale sind erstellte Grafiken, die sich nach einem bestimmten Muster abbilden lassen. Fraktale Mengen aus einem Anfangszustand ergeben ein Bild, welches nach bestimmten Regeln erzeugt wird. Die Julia-Mengen lassen sich, wie bereits erwähnt, mit dieser Folge zn+1 = zn2 + c beschreiben. \n\nMan beginnt mit einer komplexen Zahl „z“, diese wird quadriert und zu einer konstanten Zahl „c“ addiert. Mit jedem neuen „z“ wiederholt sich der Vorgang, dabei geht man jedes Mal vom vorherigen Ergebnis aus. Auf diese Weise werden formreiche Bilder konstruiert, die stark an natürliche Formen erinnern. Interessant ist, dass diese Bilder aus sich selbst heraus entstehen und dass dabei Muster erzeugt werden, die sich einander ähnlich sind. Die Zahlen und Operationen werden immer wieder mit sich selbst ruckgekoppelt. Der Betrag dieser Zahlen (d.h. deren Abstand vom Ursprung) vergrößert sich bei jeder Operation sehr gering, auf diese Weise wird das Bild aufgebaut. Julia-Mengen sind punktsymmetrisch zum Ursprung. Bei vielfach fortgesetzter Ausführung auf dem Computer entstehen zunehmend komplexe, in sich differenzierte, zugleich einander ähnliche Gebilde. Diese können von hohem ästhetischem Reiz sein.\n\nDie Julia-Mengen sind nach Gaston Julia (1893-1978) benannt. Anfangs des 19. Jahrhunderts experimentierte Julia, der 1918 als Kriegsverletzter in einem Lazarett war, mit den komplexen Zahlen. „c“ (steht für „control“) ist eine Konstante, die vorher festgelegt wird. Die Julia-Menge für c = 0 ist ein Kreis ohne fraktale Eigenschaften, alle Punkte wandern auf der Kreislinie. Setzt man für c=0+0,1i ein, deformiert sich der Kreis. Hier spielen die komplexen Zahlen (i2= -1) eine wichtige Rolle; wurde man nur die reellen Zahlen berücksich¬tigen, erhielte man nur einen Strich und kein formenreiches Gebilde. \n\nInteressant ist auch die sog. Koch-Kurve, die aus einfachsten geometrischen Strukturen durch fortgesetzte Wiederholung aufgebaut werden. Dabei wird zum Beispiel aus einer geraden Linie eine gebrochene Kurve konstruiert. Die Koch-Kurve wurde von dem schwedischen Mathematiker Helge von Koch 1904 vorgestellt. Die Koch-Kurve ist auch in Form der kochschen Schneeflocke bekannt, die durch geeignete Kombination dreier Koch-Kurven entsteht. Hierbei wird die Gerade in 3 gleiche Teile geteilt und danach der mittlere Teil durch ein gleichseitiges Dreieck ersetzt. Die Linie hat nun 4 Teile, die sich nach dem gleichen Prinzip wei¬terzerlegen lässt. In dem erwähnten Buch über Fraktale wird der Begriff „Selbstähnlichkeit“ sowie dessen Abstufungen und Spezifikationen genau analysiert, zu gleichem Zusammenhang mit dem Begriff der „Nicht¬linearität“.

3- Design & Natur

Dann wahrhaftig steckt die Kunst in der Natur, wer sie heraus kann reißen, der hat sie …

Der Glaube, dass Gott das Universum nach einem geometrischen Plan erschaffen hat ist uralt. Johannes Kepler (1571 – 1630) glaubte an die geometrischen Grundlagen des Kosmos und Carl Friedrich Gauss bezeichnete Gott als Arithmetiker. Schon immer waren auffällige Formen der Natur wie z.B. Berg-Gipfel, Sonne, Mond und Sterne, Blitze und vor allem Lebewesen als Vorbilder für Symbole und damit als Vorbilder für Design benutzt worden, darunter auch Bäume, Gräser, Blumen, Vögel, Raubtiere, aber auch Kühe und Ziegen usw. Solche Symbole sind von Menschen schon in der Urzeit als Höhlenmalereien geschaffen worden. Die ersten Bilder in der Menschheitsgeschichte waren Fingerzeichnungen, die mit weichem Ton ausgeführt wurden. Danach kamen Gravuren, die meist mit scharfen Steinklingen gezeichnet wurden. Die Malerei kam später mit den ersten Farben wie Rot aus Eisenoxid, Schwarz aus Mangandioxid, manchmal auch Holzkohle, Weiß aus Kaolin, Gelb aus Schwefel und andere Mineralpigmenten. Muster nach Strukturen, die in der Natur vorkommen werden auch heute von den Designern benutzt. Die geometrischen Formen der Natur dienen den Designern zur Anregung. Diese Phänomene ermöglichen konzentriertes und leicht verständliches Design als Symbole zu generieren. \n\n[color=#ff0000]Muster und Strukturen in der Natur[/color]\n\nIn der Natur zeichnet sich eine Stufenfolge vom Einfachsten bis zum Komplexen Strukturen, die Stufenfolge ist nicht scharf voneinander getrennt. Es gibt universelle und zeitlose Kriterien von Gesetzmäßigkeiten und Harmonie in der Natur. Was zeigen diese rekursiven Muster der Natur? Warum ist diese Art von Form so und nicht anders? Welche Muster aus der Natur zeichnen sich ab? Was zeigen die archetypischen Bilder? Welche philosophischen und metaphysischen Konzepte werden zum Ausdruck gebracht? Welche religiösen Erfahrungen und spirituelle Orientierung haben diese Formen zeugt? Wie funktionieren die geometrischen Auszudrücke? Wie können wir sie interpretieren, die Bedeutungen analysieren, die Informationen dekodieren? \n\nEs gibt Zauberformeln, die in der Natur immer auf neue Art wirken. In der Natur beobachtet man viele geometrischen Formen, die an fraktale Muster erinnern. Beispiele für natürliche Fraktale sind Blumenkohl, Brokkoli, Farnblätter, Verästelung der Pflanzen, die Verteilung der Sterne, die Wärmebewegung von Teilchen. Die Honigbienen bauen sechseckigen Zellen, um ihren Honig zu halten. Alle Schneeflocken haben eine sechzählige Symmetrie. Die Nautilus und andere Schneckentiere bilden eine logarithmische Spirale. Der Mathematiker Jacob Bernoulli nannte diese Spiralen 1691 „spira mirabilis“ – Wunderspirale. Auch Leonardo da Vinci war von diesen Schalen fasziniert, er schrieb: „Das Tier, das in der Muschel wohnt, baut sich seine Wohnung mit Verbindungen und Fugen, einem Dach mit verschiedenen anderen Teilen, genau wie der Mensch in dem Haus, wo er wohnt. Und dieses Tier vergrößert das Haus und das Dach allmählich, je nach Wachstum seines Körpers und seinem Ansatz an den Seiten dieser Schalen.“\n\nAuch das menschliche Verhalten oder im menschlichen Körper und in dem Schaffen und Handeln des Menschen, wie in der Malerei, in der Architektur und in der Musik lassen sich geometrische Muster erkennen. Richard Taylor ein Physiker der Universität Oregon (USA) entdeckte 1999, dass die Werke von Jackson Pol¬locks, der hauptsächlich mit Farben experimentierte, wiederholende Strukturen aufweisen. Ein Ausschnitt des Bilds zeigte in der Vergrößerung die gleichen Strukturen, die dem ganzen Bild ähnelt. \n\nMandelbrot war der Auffassung, dass Humane Fraktale eher der intuitiven Erfassung zugänglich sind – d.h. was wir intuitiv erfahren entscheidet unser Verhalten. Er benützte die fraktale Geometrie für die Beschreibung natürlicher Objekte. Er zeigte, dass all diese Objekte bestimmte Eigenschaften gemeinsam haben, z.B. \n\nSymmetrie, räumliche Verhältnisse, Phasenübergänge, Volumen und Selbstähnlichkeit. Eine der wichtigen Eigenschaften der fraktalen Körper ist, dass sie bei einem begrenzten Volumen eine sehr große Oberfläche bieten. Z.B. die Lungenbläschen, in denen sauerstoffarmes Blut Sauerstoff aufnimmt, haben eine Oberfläche von ca. 200 qm oder die Blutgefäße, die bilden eine Fläche von ca. 150 qm. Weitere Beispiele natürlicher Fraktale sind die Kristalle, Küstenlinien, Verästelung der Pflanzen, die Verteilung der Sterne im Weltall. Man¬delbrot war auch der Auffassung, dass Berge keine Kegel, Küstenlinien keine Kreise, die Rinde nicht glatt und sogar der Blitz hat keinen geraden Weg. Unter diesen Mustern sind auch die fraktalen Strukturen der Natur, grob gesprochen, die Verzweigungen, die Ineinanderschachtelungen und damit die gegenseitige Ähnlichkeit von Struktur-Elementen. Diese These wird wie bereits erwähnt in der Koch-Kurve beschrieben. \n\nBiomechanischen Gestaltoptimierung\n\nProzesse, die innere und äußere Konstruktion ständig verbessern und an neue Belastungen anpassen sind in der Natur keine Seltenheiten. Der Prozess des Designs ist der Prozess der Anpassung und ständiger Annähe¬rung an das Optimum gestalterischer Möglichkeiten.

4- Design & Medien

Neben den klassischen Printmedien wie Zeitschriften, Büchern, Plakaten und Broschüren haben elektro¬nische Medien seit 80er Jahren verstärkt Anwendungsgebiete gefunden. In den Medien geht es vorrangig um die Übermittlung von Informationen in einer Weise, dass sie bestimmte Effekte auslösen. Der Begriff Grafikdesign wurde von William Addison Dwiggins 1922 eingeführt. Vorher waren Drucker, Schriftsetzer, Grafiker und Designer oft dieselbe Berufsgruppe. Heute sind sie Untergruppen des Kommunikationsdesigns, bei dem die Schwerpunkte Werbung, Film, Fernsehen, Video, Games, Internet, Printmedien wie Zeitungen, Zeitschriften, Plakate etc. sind. Die Entwicklung des Kommunikationsdesigns ist fest mit der Entwicklung der Gesellschaft verbunden. Grundlage der Kommunikation ist die Sprache. Mit Sprache ist nicht nur das gesprochene Wort gemeint, sondern alle Kommunikationswege. Die Qualität dieser Kommunikation wird bestimmt durch das Design. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist die Erzeugung von „Aufmerksamkeit“. Werbung muss auffallen. Die Aufmerksamkeitskapazität ist bei Menschen begrenzt und Menschen tun grundsätzlich das, was ihren äußeren oder inneren Bedürfnissen entspricht. Der Mensch wendet sich zu Themen, die Interessant sind und zu denen er eine Beziehung hat. Gute Bilder und Formen motivieren, es ist wichtig, dass bei einem Design mehrere Sinne angesprochen werden. Die Aufmerksamkeit wird in der Regel auf die wichtigsten Informationen gerichtet. Sind mehrere Dinge ähnlich bedeutsam, teilt sich die Aufmerksamkeit zwischen ihnen auf. Deshalb versucht man z.B. in der Werbung die Sinne auf bestimmte Inhalte zu fokussieren, so dass sich die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche richtet. Der Effekt der Überraschung ist z.B. ein Mittel dazu.\n\nEin weiterer wichtiger Aspekt ist die „Aufmerksamkeitszuwendung“, d.h. das, was angesprochen wird. Sollen Gefühle angesprochen werden, soll Verstand oder eine Zielgruppe angesprochen werden. Von diesen Aspekten leitet sich Design ab, es geht um Handlung, Haltung und Intention. Dazu gehören subjektive Empfindun¬gen und die Schaffung einer gewünschten Aussage. Zur Gestaltungshilfe gelten div. technische und künstlerische Prinzipien. Selbst mit schönen Büchern und Anleitungen wird man hässliches Design erzeugen, wenn man von der Anordnung nichts versteht. Z.B. symmetrische Anordnung ist nicht besser als Asymmetrische, sie ist nur anders. Eine gute symmetrische Anordnung kann intensiver wirken, während die symmetrische repräsentativer aussieht. Der Goldene Schnitt, die Dreieckskomposition und Gestaltungsraster finden oft im Grafikdesign und Layouts Anwendung. Dabei orientiert man sich an einer, für den Betrachter, unsichtbaren Raster. Dies deutet sich auf die Beziehung der Elemente zu einander und daraus resultierende Wirkung bzw. Kraft zu beziehen, die wir wahrnehmen ohne sie zu sehen. \n\nDie Nutzung solcher Methoden garantiert jedoch nicht das Gelingen des Designs. Sehr oft steht man vor der Aufgabe, eine neue Beziehung zwischen Form und Betrachter herzustellen. Helfen kann nur ein erwecktes Bewusstsein, Fähigkeit zur schöpferischen Gestaltung und Selbstkritik. Mann kann nur von Fall zu Fall ent¬scheiden, was besser ist. Gutes Design ist auf höchste verfeinert, anziehend, geschmeidig und zum Wohlbefinden, es fordert große Einsicht in den Aufbau des Objekts und versucht eine Einheit der Gestalt zu erreichen. Die einzelnen Teile sollen miteinander verschmolzen und durch Kontraste bzw. Farben von einander getrennt sein. Farbe wirkt meist emotional und direkt auf den Betrachter. Dies beruht auf Assoziationen mit Erfahrungen und kulturellen Farbsinnbildern. Beispielsweise werden Gelb und Rot mit Wärme (Sonne), Grün mit der Natur assoziiert und ziehen unter Umständen mehr Aufmerksamkeit auf sich. Bei den Farben kann man zwei Aspekte unterscheiden: Die einzelne Farbe und die Wirkung verschiedener Farben untereinander. Dadurch erzeugt man Dynamik und Bewegung, die gelenkt werden kann. \n\nProspekte sollen so gestaltet sein, dass auf den ersten Blick, das Anliegen erkennbar ist. Bildtexte müssen ein bis zwei Schriftgrad kleiner als die Grundschrift gesetzt sein. Die Bündigkeit des Flattersatzes muss immer der Abbildung zugewandt sein. Bilder und Artikeln sollen so angeordnet sein, dass weder Überschriften noch Bilder nebeneinander stehen und, dass Überschriften möglichst nicht im Falz stehen. Die Komposition ist der wichtigste Faktor in der Gestaltung. Hier werden die formalen Elemente zu einem Kunstwerk zusammengefügt. Hierbei spielt die Gewichtung der Einzelelemente eine große Rolle und hier scheitern auch viele Künstler. Das „Gewicht“ eines Elementes ist mit der Aufmerksamkeit, die es auf sich zieht, gleichzusetzen. Die Verteilung der verschiedenen Gewichte entscheidet über die Gesamtwirkung. Sie bildet Harmonie oder Disharmonie. Eine Komposition, die sehr gleichmäßig gestaltet ist, erzeugt meistens einen ruhigen Eindruck. Zur Kompositionshilfe gibt es mehrere Prinzipien, die meist harmonische Verhältnisse zwischen Gestaltungs¬elementen herstellen. Fluchtpunktperspektive wird verwendet um die Aufmerksamkeit des Betrachters zum Objekt im Fluchtpunkt hinzuführen. Alle ins Bild laufenden Linien schneiden sich im Fluchtpunkt bzw. in Fluchtpunkten. Dinge, die vom Betrachter weiter entfernt erscheinen sollen, werden kleiner dargestellt als Gegenstände im Vordergrund. Die Eigenprespektive ist teilweise subjektiv und basiert auf eigene, individuelle Erfahrungen, Gewohnheiten, etc.\n\nDie Form ergibt sich durch den Umriss und durch die Licht-Schatten-Verhältnisse. Ebenso wie die Farben werden auch Formen unbewusst mit bestimmten Bildern assoziiert. Die Bilder haben auch Wiedererkennungseffekte, sie sind auch wichtig zum Einordnen der Dinge. Bei der Gestaltung spielen auch Proportionen eine sehr wichtige Rolle. Man unterscheidet im Allgemeinen zwei Proportionsarten:
1- „Der goldene Schnitt“
Als „Goldenen Schnitt“ bezeichnet man die Teilung einer Strecke in zwei Abschnitte in der Weise, dass sich der kleinere Abschnitt zum größeren wie der größere zur gesamten Strecke verhält. Ähnlich wie eine Strecke lassen sich auch die Rechtecke nach dem goldenen Schnitt teilen. Wiederholt man dies mehrfach, ergibt sich eine Reihe von ineinander verschachtelten Quadraten, bei denen jede Seitenlänge sich aus der Summe der Seitenlängen der beiden nächstkleineren Quadrate ergibt. Verbindet man nun die Eckpunkte der Quadrate mit einer gebogenen Linie, ergibt sich eine Spirale, die mit jeder Umdrehung den Abstand von ihrem Mittelpunkt um den gleichen Faktor vergrößert. Diese Spirale nennt man die logarithmische Spirale. Die logarithmische Spirale findet man in der Natur bei vielen Schneckenhäusern wieder.
2- „Das Modulsystem“
Ein Objekt wird als Teil eines Systems behandelt. Ausgangbasis ist ein festes Grundmodul (Grundmaß), alle anderen Teile sind ein Vielfaches davon. Z.B. in der Möbelindustrie gibt es ein Grundmodul von 30 cm und die Einzelteile betragen ein Vielfaches davon (60, 90, 120 cm). Das Prinzip des modularen Systems wird z.B. benutzt, wenn ein Unternehmen gleiche Bauteile für unterschiedliche Produkte in Serie herstel¬len will. Das Prinzip der proportionalen Häufung begegnet man auch in der Natur.

5- Design & Architektur

Nächst der Natur ist die menschliche Behausung (Wohnung sowie Arbeits- und Kultstätte und deshalb hat die Architektur einen bedeutsamen Bezug zum Begriff „Design“. Die Behausung hat notwendig eine Form. Diese ergibt sich aus der Funktion der Behausung, deren Statik, aus den zu erwartenden Umwelt-Einflüssen zu jeder Tageszeit und auf lange Dauer, aus dem verfügbaren Material, aus den technischen Verfahren der Bau-Ausführung, aus der Verfügbarkeit wirtschaftlicher Ressourcen und aus der Möglichkeit, weltanschaulich geprägten Ansprüchen zu dienen: kultischen, den Herrschaftsverhältnissen und den vorherrschenden ästhetischen Ansprüchen. Die Kriterien zur Gestaltung der Architektur sind deshalb ein System von Anforderungen aller Design-Gestaltung. Die geschichtliche Entwicklung der Architektur zu studieren ist deshalb auch ein Anliegen der Ausbildung von Designern. Besonders interessant ist die Entwicklung der Architektur des Bauhauses im 20. Jahrhundert. Über architektonische Bedürfnisse, vor allem über funktionelle Bedürfnisse hinausgehend, auch auf repräsentative Bedürfnisse orientiert gibt es seit Urzeiten den Bauschmuck. Spezielle Designs können im Zusam¬menwirken mit rein funktionell geprägten Formen auch als Schmuck-Elemente fungieren. Strenge Maßstäbe sind von der Architektur her durch die Bauhaus-Architektur entwickelt worden. Das Bauhaus hat demonstriert, dass Schmuck keine Bedürfnisse auf herrschaftlichen Luxus bedienen darf. Herrschaftlich geprägter Luxus vergangener Epochen kann heute dazu dienen, Respekt vor den physischen Anstrengungen sowie vor den handwerklichen und künstlerischen Fähigkeiten seiner Schöpfer zu empfinden und sich an den Bau-Denkmahlen zu erfreuen. Doch man sollte sich stets fragen: Wer baute das siebentorige Theben? Wer schuf die mittelalterlichen Dome und Moscheen? Wer waren die Bau-Leute? Haben die Fürsten die Bauwerke errichtet, oder waren es ihre schlecht bezahlten Dienstboten?

Fraktale Aspekte in der Architektur

Es gibt die sog. heilige Geometrie, die oft eine Grundvoraussetzung für den Bau von Sakralbauten wie Tempel, Kirchen, Moscheen, Megalithen und anderen Bauwerken war. Der Begriff Heilige Geometrie erfasst die religiösen, philosophischen und spirituellen Überzeugungen, die in verschiedenen Kulturen in Bezug auf die Geometrie und mathematische Prinzipien entstanden sind. In der heiligen Geometrie sind der symbolischen und geistlichen Bedeutung bestimmte geometrische Formen und bestimmten geometrischen Proportionen zugeschrieben. Diese Proportionen wurden auch in den anderen visualisierungsarten eingesetzt, wie z.B. in der sakralen Kunst. Sie alle zeigen eine auffallende fraktale Qualität.
Die Architektur des Tempels steht symbolisch für die Suche nach spiritueller Befreiung, die Verwirklichung der Einheit. Zu diesem Zweck verbindet man bestimmte Vorstellungen mit bestimmten Formen und die Identifizierung der Gottheit mit den Materialien des Gebäudes. Solche Überlegungen sind grundlegen für die Tempelarchitektur. Hindus sahen Fraktale Formen in der Natur und versuchten diese Geometrie als philosophische Ansichten zum Ausdruck zu bringen, aus dem Hintergrund von einem tiefen Gefühl der Einheit. Das Eine wird auf verschiedene Weise immer wieder gelobt mit vielen Namen und vielen Formen. Im Hinduismus sagt man die Wahrheit ist die Gleiche, wenn auch auf unterschiedliche Weisen ausgesprochen wird. In der fraktale Geometrie findet sich die Ganzheit, welche wiederum in die Teile enthalten ist.\n\nIn religiösem Design wird immer eine Innerlichkeit oder eine Suche nach Befreiung einbezogen. Solche Bauten repräsentieren die Reintegration der Einzelteile in dem Ganzen und das Ganze reflektiert sich in den Einzelteilen. Die Fraktale sind Dynamisch und symbolisch mit Funktionen, die die Steigerung und Vertiefung des Gefühls dienen. Man reagiert auf Proportionen und rhythmische Dynamik. Interaktion mit Funktion dienen als Endzweck. Sie sind wie eine Sprache, die Sinn macht, wenn man das Symbol und die Idee dahinter versteht; die Idee des Lebens in der Materie und in den Formen. \n\nFraktale Geometrie in der Architektur hat zwar nichts mit der Form einer Brokkoli zu tun, aber es gibt sie sowohl in der äußeren Form, wie z.B. die Barockarchitektur, als auch in der Innenstrukturen, wobei der Begriff Fraktal (gebrochen) das Verhältnis zwischen Raum, Funktion und Umgebung beschreibt. Ein Beispiel dafür ist die fraktale Schularchitektur. \n\nDie fraktale Schularchitektur entstand aus der Suche nach pädagogisch funktionalen Schülerarbeitsplätzen, die das Lernen sowie die Konzentration und Kommunikation unterstützen. Die Schülerarbeitsplätze an den deutschen Schulen bestehen normalerweise aus einem Stuhl und einem Tisch, die sich 2-3 Schüler teilen. Die herkömmliche Schularchitektur ist vorwiegend linear strukturiert – z.B. alle Lernräume befinden sich entlang eines Ganges. Bei der fraktalen Architektur hat man eine nichtlineare Struktur. Die zentrale Frage dabei ist wie sich die Elemente möglichst günstig im Raum anordnen lassen, so dass die Räume einander abwechseln, einander zugeordnet werden können, dass eine Flexible Raumnutzung, Dynamik, Multifunktionalität, Weiträumigkeit ermöglich wird. Besonderer Wert wurde auf die Optimierung kommunikations- und konzentrationsfördernder räumlicher Rahmenbedingungen gelegt. Mittels mathematischer Folgen lässt sich eine räumlich-materielle Struktur schaffen, in dem die kommunikationsfördernden Lernräume eine zentrale Rolle spielen.

Zusammenfassendes Schlusswort
Design ist die Form eines Inhalts und erst sein Gelingen macht dieses zum Design. Es ist eine Annäherung hin zu einem Abschließbaren Ganzen. Es ist ein Prozess, bei dem neue Komponente, neues Material, neue Veränderungen zugleich eine neue Formgebung des Bestehenden bedeuten. Designer müssen eine große Zahl von Entscheidungen treffen. Sie müssen den Raum und seine Bestandteile vereinigen, die Grenzen überwinden, neue Aspekte schaffen, alte Konzepte optimieren. Design stellt die Beziehungen seiner Einzel-elemente dar. Die Gestalthaftigkeit des Designs ist etwas, was ein Ganzes gegenüber seinen Bestandteilen darstellt. Stoffliche Untersuchungen allein führen zu keinem befriedigenden Ergebnis, natürliche Quellen und Inspirationen sind deshalb für diese Aufgabe von entscheidender Bedeutung.

Mina von Ewald
Berlin, Okt.2011